Bauernparlament fordert klare Perspektive für die Zukunft bäuerlicher Familienbetriebe ein

Vizepräsident Otto Auer, Leiterin der Abteilung Agrarrecht im Amt der NÖ Landesregierung Susanne Gyenge, Präsident Hermann Schultes, Vizepräsidentin Theresia Meier und Kammerdirektor Franz Raab

Am Montag, 2. Juli, tagte das Bauernparlament der Landwirtschaftskammer Niederösterreich in der Bildungswerkstatt Mold. Dabei wurde für die neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) eine klare Strategie gefordert, welche die Herausforderungen des Klimawandels berücksichtigt. Aber auch die Verfügbarkeit wettbewerbsfähiger Betriebsmittel, praxistaugliche Produktionsauflagen und eine durchgängige Kennzeichnung regionaler Qualitätsproduktion müssen diskutiert werden, um Perspektiven für Bäuerinnen und Bauern zu schaffen.

In der Land- und Forstwirtschaft stellen sich aktuell viele Zukunftsfragen. Sie reichen von den massiven Auswirkungen des Klimawandels über schwierige Märkte bis hin zu unberechenbaren Produktionsauflagen und oft unwissenschaftlichen Einschränkungen im Betriebsmittelbereich. Aber auch der Brexit und Handelsabkommen wie zum Beispiel Mercosur gehen nicht spurlos an den landwirtschaftlichen Märkten vorbei. Dabei sieht das Bauernparlament nicht nur die Gemeinsame Agrarpolitik gefordert, um den Bäuerinnen und Bauern eine Stütze zu sein. „Die von Bundesministerin Elisabeth Köstinger angekündigte Absenkung der Versicherungssteuer für sämtliche Agrarversicherungen und die geplante Einführung einer umfangreichen Tierseuchenversicherung ab 2019 sind erste wichtige Schritte“, erklärt Landwirtschaftskammer NÖ-Präsident Hermann Schultes.

GAP-Strategien gegen die Auswirkungen des Klimawandels müssen her

„Der Klimawandel ist in der Land- und Forstwirtschaft angekommen. Bäuerinnen und Bauern haben ein schwieriges Frühjahr hinter sich. Die Unterschiede in den einzelnen Regionen sind enorm. Vor allem sahen sich Landwirte mit einem massiven Schädlingsdruck konfrontiert. Der Erdfloh beim Mohn, das Hähnchen beim Getreide, der Rüsselkäfer bei der Rübe oder im Wald der Borkenkäfer: Jetzt geht es darum, sich auf die veränderten Rahmenbedingungen einzustellen“, so Schultes und fordert eine klare Ackerbaustrategie für die Zukunft. Aber auch weniger Schikanen, mehr nationale Freiheiten und eine Steigerung dessen, was für bäuerliche Familienbetriebe unter dem Strich übrig bleibt – das alles ist laut dem Bauernparlament in der neuen GAP zu berücksichtigen.

Saisonarbeitskräfte sichern die Zukunft der Familienbetriebe

Die Landwirtschaft ist auf Saisonarbeitskräfte angewiesen. Der Bedarf kann nachweislich nur über ausreichend Kontingente für die vorübergehende Beschäftigung ausländischer Saisonarbeitskräfte gedeckt werden. „Wenn Arbeiten unerledigt bleiben und Betriebe ihre Zweige einschränken und Arbeitswillige bei uns nicht arbeiten dürfen haben wir in Österreich ein Problem. Es drängt. Unsere Bauern müssen die Chance haben, dass sie im Geschäft bleiben“, erklärt Schultes und fordert rasche Lösungen. Besonders die Entlastung der Bruttolöhne von Steuern, Abgaben und Soziallasten ist laut Schultes für die Zukunft ausschlaggebend: „Der Weg zu höheren Nettolöhnen für Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft muss gegangen werden. An der Leistung der Erntehelfer hängen viele Arbeitsplätze in den Betrieben, die unsere Produkte verarbeiten. Fehlen Erntehelfer, brechen ganze Branchen weg.“

 Konsequenter Ausbau des AMA-Gütesiegels soll mehr Wertschätzung bringen

Eine Transparente Kennzeichnung der Herkunft wird in Zukunft immer wichtiger. Nur so können landwirtschaftliche Betriebe von mehr Wertschätzung und Wertschöpfung profitieren. „Wir als Bauern sind stolz auf unsere Arbeit und darum wollen wir, dass die Herkunft transparent gemacht wird. Wir wissen, dass das Einkaufsverhalten vom Appetit abhängt und der Appetit ist immer größer, wenn das Produkt aus Österreich stammt“, erklärt Schultes und sieht einen konsequenten Ausbau des AMA-Gütesiegels beispielsweise für Getreide als wichtige Teilmaßnahme für die Zukunft.

Fotot: LK NÖ/Eva Lechner