Archäologen bereiten den Boden für die Wirtschaft auf

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Mag. Stefan Khollar und Mag. Fritz Preinfalk (beide Firma ARDIG), Bürgermeister Mag. Matthias Stadler, Christoph Schwarz (Leiter der Wirtschaftsservicestelle "ecopoint" und Mag. Silvia Müller (Firma ARDIG) bei einem spätrömischen  Doppelgrab im Betriebsbaugebiet Ratzersdorf

Im St. Pöltner Stadtteil Ratzersdorf wird ein neues 5 ha großes Betriebsansiedelungsgebiet erschlossen. Derzeit bereiten die Archäologen den Boden für florierende Betriebe auf und haben dabei eine jahrtausendealte Siedlung und ein spätrömisches Gräberfeld entdeckt. St. Pölten verfügt über ausreichend Grundstücksreserven für Unternehmen.

“Die niederösterreichische Landeshauptstadt verfügt derzeit über 180 ha freie Flächen für die Ansiedelung von Unternehmen, davon sind 92 ha als Bauland-Betriebsgebiet und 88ha als Bauland-Industriegebiet gewidmet. Sobald vorhandene Betriebsansiedelungsgebiete belegt sind, schließen wir rechtzeitig neue Flächen auf, so wie es der Bedarf erfordert. Das 19,2 ha große Betriebsansiedelungsgebiet Ratzersdorf wird nun um 5 ha erweitert. Zudem treffen wir auch schon Vorarbeiten für eine Erweiterung des Gewerbegebiets NOE-Central und des Gewerbegebiets in Unterradlberg. Wir haben beträchtliche Grundstücksreserven in optimaler Lage und können daher jederzeit neue Unternehmen mit vielen Arbeitsplätzen ansiedeln. Das rege Interesse für unseren Standort freut uns natürlich sehr“, sagt Bürgermeister Mag. Matthias Stadler.

Spätrömisches Grab mit Grabbeigaben

Genügend Fläche
Die Gründe für die Verfügbarkeit der Flächen liegen einerseits in der Größe des Stadtgebietes von fast 109 km2 und einer langfristigen strategischen Planung beim Grundstücksmanagement und der Stadtentwicklung. Die neuen Gewerbeflächen im Stadtteil Ratzersdorf liegen zwischen der Bundesstraße B1 und der Anschlussstelle St. Pölten Nord der Schnellstraße S33. Mit einer Gesamtfläche von 19,2 ha und einer Reservefläche von 5ha bietet das Gewerbegebiet Platz für ca. 15-18 Betriebe. Die Grundstücke für die neuen Betriebsansiedelungen sind zwischen 1.000m2 und 5.000 m2 groß. Die Aufschließungsabgaben für die Betriebe bewegen sich zwischen 20 – 25 Euro pro m² – je nach Bauklasse.
Interessierte Unternehmen könne sich bei der wirtschaftsservicestelle der Stadt „ecopoint“ melden.

Eine Auswahl der zahlreichen Funde aus der Römerzeit

Optimale Lage & ausgebildete Fachkräfte

„Bereits jetzt herrscht sehr großes Interesse an den Gründen des zu erschließenden Gebietes. Sollten alle Firmen, die Interesse bekundet haben, tatsächlich kaufen, wäre ein Großteil der Flächen bereits vergeben. Generell wird das Betriebsbaugebiet St. Pölten Ratzersdorf aufgrund seiner optimalen Lage sehr stark nachgefragt“, berichtet der Leiter der Wirtschaftsservicestelle der Stadt Christoph Schwarz. Schwarz sieht neben der optimalen Lage auch die hohe Verfügbarkeit von Fachkräften aufgrund der 60.000 Ausbildungsplätze in der Stadt als weitere Ursache für das starke Interesse der Unternehmen am Standort St. Pölten.

Ein sehr seltener Fund: die Überreste eines Brunnens aus der Jungsteinzeit. Die rund 7.000 Jahre alten Holzeinfassungen am oberen und unteren Rand sind noch erkennbar.

Zeitplan

Unmittelbar nach Abschluss der archäologischen Grabungen wird die Stadt mit der Schaffung der notwendigen Infrastruktur wie Wasserleitungen, Kanal, Straßenbeleuchtung Verkehrsflächen beginnen. Danach können die Firmen zu bauen beginnen.
Aufschlussreiche archäologische Funde
Seit dem Bau der S 33 Schnellstraße ist bekannt, dass in diesem Gebiet mit archäologischen Funden zu rechnen ist. Um den Boden für die künftigen Unternehmen aufzubereiten hat die Stadt St. Pölten den Stadtarchäologen Dr. Ronald Risy und die Firma ARDIG beauftragt, die vorgeschriebenen archäologischen Untersuchungen durchzuführen.
„Diese Untersuchung im Bereich des Betriebsgebietes Ratzersdorf läuft ohne Unterbrechung seit 12. November 2018. Die sechs bis zehn Personen umfassende Grabungsmannschaft der Firma ARDIG hat bis jetzt 13.000 m² untersucht und bisher 719 Objekte bzw. 1227 stratigrafische Einheiten dokumentiert“, berichtet die Geschäftsführerin Firma ARDIG, Mag. Silvia Müller.

Auswahl der zahlreichen Funde aus der Jungsteinzeit

„Der Großteil der urgeschichtlichen Befunde gehört zu einer mehrere Jahrhunderte lang bewohnten Siedlung der späten Jungsteinzeit, die in das 4. Jahrtausend vor Christus datiert werden kann (Badener Kultur). Neben einigen Hausgrundrissen sind einfache Gruben und Gräbchen sowie ein Brunnen gefunden worden. Ein Brandgrab datiert ebenfalls in die späte Jungsteinzeit. Ein Grab der Frühbronzezeit (ca. 2.300 v. Chr.) sowie ein Grab der mittleren Bronzezeit (ca. 1.400 v. Chr.) runden das Bild des bedeutenden urgeschichtlichen Fundplatzes ab“, erläutert der örtliche Grabungsleiter der Firma ARDIG Mag. Fritz Preinfalk.
Während jungsteinzeitliche und bronzezeitliche Befunde schon früher bei Grabungen auf den umliegenden Grundstücken gefunden wurden, war die Entdeckung eines spätrömischen Gräberfeldes des 4. Jahrhunderts n. Chr. völlig überraschend. Es konnten bisher 75 Gräber festgestellt werden, darunter zwei Brand- und 73 Körpergräber. Trotz schlechten Erhaltungszustandes und antiken Beraubungsspuren konnten noch zahlreiche Beigaben geborgen werden. So fanden sich zahlreiche Münzen und Keramikgefäße, in Frauengräbern häufig Armreifen, Glasperlen von ehemaligen Halsketten oder auch Glasgefäße, in Männergräbern wurden zudem häufig Bestandteile von Gürtelgarnituren oder Fibeln (Gewandspangen) gefunden.

Fotos: Martin Koutny

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