AUTOTEST Hyundai Nexo

Die automobile Mobilität befindet sich im Umbruch, noch nie zuvor wurde über künftige Antriebskonzepte mehr diskutiert als jetzt. Weltweit setzen Automobilhersteller auf alternative Antriebe wie Hybrid, Elektro- oder Elektro-Wasserstofffahrzeuge – deren Vor- bzw. Nachtteile werden an jedem Stammtisch „besprochen“. Passend dazu, durften wir Hyundai`s „Grünes Flagschiff“, den Nexo mit Wasserstoff-Elektroantrieb ausführlich testen. Ein ungewöhnliches Fahrerlebnis und erstmalige Begegnung mit der Brennstoffzellentechnik sowie autonomen Assistenzsystemen der nahen Zukunft!

Der Nexo ist bereits Hyundai`s zweites Elektrofahrzeug mit Brennstoffzellentechnik, mit dem ix35 Full Cell war der Automobilhersteller bereits 2013 Vorreiter mit dieser alternativen Antriebstechnologie. Mit dem neuen Nexo steht jetzt ein wesentlich weiterentwickelteres Fahrzeug in den Verkaufslisten, nochmals weit effizienter in der „Null-Emissions-Mobilität“.

Wie funktioniert der „Wasserstoff-Antrieb“? Das Fahrzeug wird nicht mit Strom geladen sondern „mit Wasserstoff im herkömmlichen Sinn betankt“. Der Wasserstoff wird dann in der Brennstoffzelle des Fahrzeuges in Strom umgewandelt, welcher den Elektromotor antreibt. Als Abfallprodukt dieser „Metamorphose“ bleibt reines Wasser übrig, dieses „scheidet“ der Nexo im Heck nach dem Abstellen kurz und hörbar in verdampfter Form aus.

Gewohnt kurze Tank- statt langer Ladezeiten werden künftige Nexo-Besitzer daher erfreuen. Der Wermutstropfen derweilen sind das noch sehr dünne Wasserstoff-Tankstellennetz und die noch sehr hohen Produktionskosten der benötigten Brennstoffzelle.

Rein äußerlich betrachtet wirkt der 4,67 m lange SUV kompakt und modern. Der Wasserstoffbolide ähnelt dem Kona, es könnte sein größerer, noch edler anmutender Bruder sein. Mit dem für Hyundai typischen „Cascading Kühlergrill“ vorne besitzt er hohen Wiedererkennungswert, die coupehafte Silhouette wird von ausgeprägten seitlichen Kanten und Linien geprägt, die ausgestellten Radhäuser wirken sportlich. Auch die auffällig designten 19-Zoll Felgen sind dem Nexo vorbehalten. Das Dach des Nexo scheint zu schweben, die A- und D-Säule sind deswegen betont schmal gehalten. Außerdem sieht man viele Chromteile, diese stehen dem Nexo aber gut zum sonstigen Outfit und zur Außenfarbe des Testfahrzeuges „White Cream“.

Um Einzusteigen tippt man auf die grundsätzlich versenkten Türgriffe, diese werden danach lautlos ausgefahren. Hinterm Volant sitzen wir selbstverständlich auf weichem Leder, uns entlockt das wuchtige Interieur ein lautes „Wow“! Das 7-Zoll digitale Display hinter dem Lenkrad zeigt Geschwindigkeit, Tankfüllstand und Fahreffizienz an, eigentlich wie gewohnt. Aber die breite, „schwebende“ Mittelkonsole in wertiger Aluminiumoptik ist üppig mit einer Vielzahl an „Tiptasten und Schaltern“ bestückt , die höchste Ausstattungsstufe „Level 6“ des Nexo muss ja letzten Endes auch bedient werden. Darüber thront der 12,3 Zoll(!) große Bildschirm, der die Navigations-, Konnektivitäts- und Infotainment-Elemente anzeigt. Wenn es der Fahrer will, dann dank der Split-Screen Funktion sogar gleichzeitig. Der Nexo wirkt aber nicht nur futuristisch, sondern auch sehr geräumig und mit praktischer Finesse. Großzügige Fächer in den Türen und unterhalb der Mittelkonsole verstauen leicht die wichtigsten Utensilien für sie oder ihn.

Der Kofferraum ist dank weit öffnender, elektrischer Heckklappe leicht zu beladen und fasst 461 Liter. Wenn notwendig, können die Rücklehnen der hinteren Sitze 2:1 umgeklappt werden und erhält so einen Laderaum mit bis zu 1465 Liter Fassungsvermögen.

Bevor wir uns mit dem Kapitel „Fahren“ beschäftigen werfen wir noch einen Blick auf die Level 6 Ausstattung des Nexo: „ALLES ist an Bord bzw. funktioniert elektrisch“. Dazu zählen unter anderem 19 Zoll Leichtmetallfelgen, beheizbares Lederlenkrad, Einparkhilfe vorne und hinten, Sitze belüftet, Lederausstattung, Navi mit 12,3 Zoll Display, Rückfahrkamera, elektr. Glas-/Schiebedach, Sitzheizung vorne und hinten, Supervision Armaturen, Voll-LED-Scheinwerfer mit durchgehendem LED-Band vorne, zahlreiche Assistenzsysteme (Autonomer Notbremsassistent, intelligenter Park-Assistent, Müdigkeitserkennung, Querverkehrswarner, Spurhalteassistent, Autobahnassistent, Toter-Winkel-Assistent) etc.

Jetzt starten wir endlich den Nexo und rollen los – natürlich ohne Geräusche und Emissionen. Zur Erinnerung: Im Fahrbetrieb funktioniert der Nexo wie ein herkömmliches Elektrofahrzeug. Mit den 163 (Elektro-)PS macht der SUV bereits im Eco Modus ordentlich Dampf, im Sport Modus geht’s noch rapider auf 100 Km/h. 9,5 Sekunden genügen um auf Landstraßentempo zu beschleunigen, 179 km/h Spitze sind aktuell ein Bestwert für Elektro/Wasserstofffahrzeuge. Natürlich ist der Fahrkomfort herrschaftlich. Leise, souverän und stilvoll gleitet der Nexo auf Autobahnen oder Landstraßen dahin, mit 395 Nm Drehmoment besitzt der Nexo auch stets Punch und Reserven in allen Drehzahllagen. In der Stadt zeigt er sich wendig. Und egal wo wir uns wie schnell bewegen, unsere Restkapazität an Reichweite ist wesentlich größer als bei den vergleichbaren mit Strom betankten Fahrzeugen. Rasch kommen wir zum Fazit: der Nexo schafft locker realistische Distanzen bis zu 600 km mit einer Wasserstofffüllung!

Das Betanken des Nexo ist einfach und vergleichbar mit Benziner oder Dieselfahrzeugen: Tankdeckel auf, Tankrüssel anstecken und in wenigen Minuten ist der Nexo wieder voll betankt. Gemesen werden die Füllmengen allerdings in Kilo und nicht in Litern. Wir verbrauchten im Schnitt auf 100 km zwischen 0,8 kg im reinen Stadtverkehr und auf schnellen Autobahnetappen genehmigte sich der Nexo dann bis zu 1,3 kg Wasserstoff. Bei aktuellen Preisen von EUR 9.-/kg Wasserstoff sind die laufenden „Treibstoffkosten“ leicht zu berechnen!

Der Alltag mit dem Nexo ist zusammengefasst sehr „relaxend“, dafür sorgen auch die futuristischen, aber völlig ausgereiften Assistenzsysteme. Diesbezüglich verfügt der Nexo über ein paar interessante Goodies. Für Erstaunen sorgt der intelligente, automatische Einparkassistent. Dieser sorgt immer für Staunen bei Passanten. Mittels Fernbedienung kann der Nexo völlig autonom aus der Parklücke parken – K.I.T.T. lässt grüßen. Ebenfalls cool ist der weiterentwickelte Toter-Winkel-Assistent mit Monitor. Dieser zeigt beim Setzen des Blinkers am Hauptmonitor die Bilder der seitlich montierten Weitwinkelkameras an -Überholen und Abbiegen wird somit um vieles erleichtert. Zu guter Letzt sei auch noch der Spurhalte- mit Autobahnassistent erwähnt. Der Nexo wird dank dieser Systeme sehr realistisch in der jeweiligen Fahrstreifenmitte gehalten, ohne hektische Lenkkorrekturen. Teilautonomes Fahren ist im Nexo schon heute entspannt möglich und macht Lust auf die Freigabe des autonomen Fahrens Level 3.

Fazit: Der Hyundai Nexo ist technisch ein Auto von Morgen. Emissionslos, luxuriös, entspannend und voll alltagstauglich – eigentlich derzeit unvergleichlich. Ein Auto mit Charakter für grüne Individualisten und Technikfreaks. Natürlich ist der Nexo mit 78.000 Euro nicht günstig und sein größtes Handicap ist das(noch) dünne Tankstellennetz. Aber für Menschen, die das Besondere suchen und ökologisch denken ist der Nexo DAS Automobil.

Fotos: © slz

Technische Daten
Hyundai Nexo (Wasserstoff-Elektro)
Antriebstechnik Brennstoffzelle
Leistung 120 kW/163 PS
Beschl. 0-100 km/h 9,5 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 179 km/h
Verbrauch komb. 9,5 l/100 km
CO2-Emission 0 g/km
Listenpreis ab 78.000 Euro