Ernte 2020: Erträge leicht unterdurchschnittlich, Qualität ausgezeichnet

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Landwirt Franz Holzer, LK NÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager, LK NÖ-Vizepräsident Lorenz Mayr, Pflanzenbaudirektor Manfred Weinhappel

Das Erntejahr 2020 ist – wie jene der letzten Jahre – ohne Zweifel eine Herausforderung für die heimischen Bäuerinnen und Bauern. Insbesondere die klimatischen Veränderungen fordern die Landwirte sehr, allen voran eine ungünstige Niederschlagsverteilung und lange Trockenperioden. Die ausgiebigen Niederschläge und gemäßigten Sommertemperaturen im Juni konnten die prekäre Niederschlagssituation bis Mitte Mai jedoch in vielen Gebieten ausgleichen. Die derzeitigen Schätzungen weisen auf eine leicht unterdurchschnittliche bis durchschnittliche Erntemenge hin, die Qualitäten der bisher geernteten Kulturen sind dafür umso erfreulicher.

Die feucht-kühle Witterung ab Mitte Mai bewirkte in vielen Regionen Niederösterreichs eine erstaunlich gute Regeneration der zuvor massiv trockenheitsgestressten Getreidebestände. Die ausgiebigen Niederschläge und vor allem die gemäßigten Sommertemperaturen, insbesondere im Juni, bewirkten zwar schüttere Bestände, begünstigten jedoch eine ausgezeichnete Ähren- und Kornausbildung. Die guten Qualitäten gepaart mit passablen Erträgen sorgen für eine stabile Versorgungsgrundlage für die österreichische Lebensmittelverarbeitung. „Die heimischen Bäuerinnen und Bauern erhalten somit die Ernährungs- und Versorgungssicherheit unseres Landes und das vor allem auch in hoher Qualität“, so Johannes Schmuckenschlager, Präsident der Landwirtschaftskammer NÖ. Voraussetzung ist, dass nun lange Regenperioden ausbleiben und die Ernte zügig eingebracht werden kann.

Die gute Qualität zeigt sich unter anderem bei der Winterbraugerste, die sehr günstige Proteinwerte und gute Siebungen aufweist und damit die Kriterien für die Malzherstellung entsprechend erfüllt. Auch die ersten Ergebnisse der im Herbst angebauten Sommerbraugerste sind vielversprechend, sowohl Ertragsniveau als auch die Qualitäten sind durchaus zufriedenstellend, wenn auch die angebaute Fläche an Sommergerste stark abgenommen hat. Der Herbstanbau von Sommerbraugerste ist – genauso wie die wassersparende Bewirtschaftung – ein Beispiel für jene zahlreichen Maßnahmen, welche die heimischen Bäuerinnen und Bauern setzen, um den Auswirkungen des Klimawandels entgegenzuwirken. Wie bei der Braugerste sind auch beim bislang geernteten Weizen hohe Kornqualitäten zu verzeichnen. Die bisherigen Weizenerträge zeigen derzeit allerdings eine große Schwankungsbreite. Trotz Trockenstress bis Mitte Mai sind die ersten Mengenergebnisse überraschend positiv. Auf schlechten Standorten konnte die lange Trockenperiode jedoch nicht mehr kompensiert werden, was sich in den bisherigen Ertragsergebnissen deutlich zeigt.

Klimawandel hat Verschiebung der angebauten Kulturen zur Folge – Landwirte reagieren auf geänderte Verhältnisse

„Die klimatischen Veränderungen verlangen von den heimischen Landwirten viel Anpassungsvermögen, auf die wir gemeinsam versuchen entsprechend zu reagieren“, sagt Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer NÖ. Zu schaffen machen den Betrieben vor allem eine ungünstige Niederschlagsverteilung, zunehmende Katastrophenereignisse, eine höhere Verdunstung aufgrund der ansteigenden Temperaturen sowie eine Verschiebung bzw. Verlängerung der Vegetationsperioden. Das bedingt auch Änderungen bei den angebauten Kulturen. Bei der Sommergerste ist seit vielen Jahren ein kontinuierlicher Abwärtstrend zu verzeichnen: Die Anbaufläche von Sommergerste ist in Niederösterreich seit 2010 um mehr als die Hälfte gesunken und erreicht damit einen historischen Tiefpunkt von nur mehr rund 26.000 Hektar. Der Anteil an Wintergerste hat hingegen zugenommen, er ist in den letzten zehn Jahren um rund 30 Prozent gestiegen und erreicht damit einen Höchststand. Der Weizenanteil hat im zehnjährigen Vergleich um rund 15 Prozent abgenommen. Ein deutlicher Anstieg ist mit 20 Prozent seit 2010 bei Mais zu verzeichnen, einer der Gründe liegt in der besseren Hitzeverträglichkeit gegenüber anderen Feldfrüchten.

Foto: LK NÖ/Philipp Monihart