Herdenschutz-Infotag in Langschlag

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Langschlag. Am Donnerstag stand BIO AUSTRIA NÖ und Wien gemeinsam mit internationalen Experten und im Herdenschutz erfahrenen Landwirten am Betrieb der Familie Groiss allen Interessierten mit Rat und Tat zum Themen Herdenmanagement zur Seite.

Otto Gasselich, Obmann BIO AUSTRIA NÖ und Wien: “Alle österreichischen Experten – allen voran Professor Dr. Hackländer von der Boku – bestätigen, dass die Anzahl der Wölfe in Österreich zunehmen wird und sich die Landwirte darauf einstellen müssen. Der Vorstand von BIO AUSTRIA NÖ und Wien hat daher beschlossen, dem Wolf im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten die Stirn zu bieten. Wir entwickeln und organisieren gemeinsam mit der European Wilderness Society Seminare und Workshops, Info-Veranstaltungen, Aufklärungsbroschüren und Herdenschutzausbildungsbetriebe, um unsere Mitglieder beim Schutz ihrer Tiere zu unterstützen.“

Informationen für Betroffene
Den Auftakt bot der Herdenschutz-Infotag in Langschlag. Zu sehen waren Anschauungsstationen mit fixen und flexiblen Zäunen, Herdenschutzhunde, die eine Schafherde bewachen, eine Station mit technischen Hilfsmitteln wie GPS Überwachungsysteme der Fa. Q-tech und Wärmebildkameras.

Eröffnet wurde der Tag mit einleitenden Worten von Rossberg, Obmann European Wilderness Society: “Die Zeit drängt, dass Herdenschutz und Herdenmanagement ernstgenommen werden. Daher freut es uns, BIO AUSTRIA mit einem umfassenden Maßnahmenprogramm basierend auf unserer langjährigen europäischen Erfahrung für eine rasche Umsetzung beiseite stehen zu können.”

Laut Rossberg sind 1,10 m Zaunhöhe die Mindestanforderung, die erfüllt werden muss, um einen Zaun wolfssicher zu gestalten. Am Stationenbetrieb wurden Fixzäune der Fa. Zlabinger aufgebaut, die für Rinder und Pferde geeignet sind. Der Vorteil von Fixzäunen ist, dass diese nicht so oft gewartet werden müssen.

Das Aufstellen von flexiblen Elektrozäunen ist weniger arbeitsintensiv, jedoch müssen diese öfter gewartet werden. Zwischen 3500 bis 5000 Volt sind ausreichend, um den Wolf abzuhalten. Wölfe sind sehr schmerzempfindlich und lernen daher schnell, Zäune zu meiden. Je mehr Tiere geschützt werden, desto schneller lernt der Wolf, beim Wild zu bleiben.

Hunde als Unterstützung
Begonnen hat die Vorführung des Stationenbetriebs mit dem Eintreiben einer Schafbockherden von Willi Klaffl. Seine beiden Bordercollies haben durch die Sturheit der Böcke und die große Hitze mit sehr großer Mühe die Schafbockherde auf den Wagen getrieben. Die Collies werden zum Treiben der Herden verwendet.

Zum Schutz vor Wölfen werden Herdenschutzhunde verwendet. Beim Einsatz von Herdenschutzhunden muss beachtet werden, dass hohe Futterkosten (ca. 30 kg wöchentlich für 6 Hunde), Tierarztkosten, eine Stunde Sozialkontakt pro Tag und Ausbildungskosten anfallen. Außerdem müssen Hunde vom Besitzer gewollt werden. Den Unterhalt der Hunde zu fördern wäre ein sinnvoller Ansatz.

Modernste Technik und Zäune
Das GPS Überwachungssystem der Fa. qtrack (www.qtrack.at) wird verwendet, um Schafe und Schafherden zu orten. Das Leitschaf der Herde bekommt einen Sender, durch diesen kann in einem Stundenabstand von 2, 3, oder 4 Stunden ein Signal auf das Handy gesendet werden, wo sich das jeweilige Tier befindet. Die Kosten dafür liegen bei € 145,- pro Sender und für jedes weitere Nutzungsjahr bei € 22,99,- für die Nutzung. Voraussetzung ist ein Handynetz. Weiters wurde der Einsatz einer Wärmebildkamera von Wille Martin von der Fa. Agonet vorgestellt.

An der dritten Station demonstriert Wanderschäfer Thomas Schranz die verschiedenen Variationen von flexiblen Zäunen. Es gibt verschiedene Arten und Höhen von Netzzäunen, die mindestens 90 cm hoch sein sollten, um wolfsicher zu sein. Wichtig bei den flexiblen Zäunen ist die blau-weiße Farbe, die vom Wolf besser wahrgenommen werden kann und dass das Leitmaterial straff gespannt und mit einer gleichmäßigen Spannung von 5000 Volt bestückt ist. Schranz demonstriert mit seinem Quad, wie er auch in steilem Gelände schnell und unkompliziert einen flexiblen Zaun mit 3 Litzen stecken kann, der sehr schnell auf- und abgebaut werden kann. Der Weidezaun nennt sich Kiwizaun und kommt aus Neuseeland.

Hinweis: Das Land Niederösterreich fördert in einem Pilotprojekt 50% der Netto-Materialkosten.

Fotos: Bioaustria