AUTOTEST Ford Focus ST 2.0 EcoBlue Traveller Diesel

Der Ford Focus erfreut sich sehr guter Verkaufszahlen, die Qualitäten des Kölners sind unbestritten und hinlänglich bekannt. Was passiert aber aus dem braven Kombi, wenn sich die Ford Performance Ingenieure dem Auto annehmen und Hand anlegen. Im Test für Sie die Top-Dieselversion mit 190 PS.

Wie schon die Außenfarbe Tropical Orange des 4,67 m langenTestwagens signalisiert, der Focus ST will ein potenter Ford und daher entsprechend optischer Blickfang sein. Was auch perfekt gelingt, obwohl grundsätzlich die Karosserie mit den schwächeren Modellbrüdern übereinstimmt. Aber zum einen wirkt sich die Tieferlegung, zum anderen die in Wagenfarbe mitlackierten Anbauteile wie Schwellerwerk, Seitenschürzen oder Dachspoiler aus und stimmig dazu sind Kühlergrill, Stoßstangeneinsatz vorne, Fensterrahmen, Dachreyling, Alufelgen sowie die Endrohre der zweiflutigen Auspuffanlage in mattem schwarz gehalten. Die Bremssättel leuchten rot und auch vorne im Kühlergrill sowie hinten am Heck signalisieren die roten ST-Logos: dieser Ford kommt aus der Performance Abteilung!

Diese Unterschiede mit der Liebe zum Detail bemerkt man auch beim Einsteigen. Auf den Einstiegsschwellern sind Alublenden “Ford Performance” angebracht und Platz nehmen wir auf harten, aber doch bequemen und vielfach einstellbaren Recarositzen mit perfektem Seitenhalt. Auf den Sitzlehnen wurde natürlich auch das rote ST-Logo eingearbeitet. Das in schwarz gehaltene Cockpit ist uns großteils bekannt und – auch ergonomisch – leicht zu bedienen. Es wirkt aber noch einen Tick sportlicher als gewohnt. Die Ausstattung ist üppig und alle Fahrassistenten sind mit an Bord und geben Sicherheit im Autoalltag. Beim genaueren Hinsehen finden wir dann doch Unterschiede: der Tacho reicht im ST bis 280 km/h oder die zusätzliche Mode-Taste am Lenkrad (Eco, Normal, ST-Mode und Race Track). Da wir das Focus-Interieur kennen, wollen wir endlich starten.

Tatsächlich, die Ford Leute haben dem braven Kombi eine auch schon am Stand hörbare Kraftkur verpasst. Der 2,0 Liter EcoBlue Diesel erwacht – kernig, tiefer, bestimmter. Ist das noch ein Diesel könnte man fragen? Wir rollen los, zuerst ein wenig vorsichtig, dann rufen wir Leistung ab. Und der orange Sportler schiebt mächtig ab, mit 400 Nm steht immer eine Menge Power zur Verfügung, egal ob unten, oben oder in der Mitte des Drehzahlbandes: Im ST-Mode jubelt der Focus geradezu durch die Gänge. Und der Sound dazu, was haben die Techniker da für einen Diesel auf die Räder gestellt. Das 6-Gang-Getriebe stellt nach jedem Schaltvorgang den perfekten Anschluss her und immer wieder drehen wir Richtung 5000U/min. Runterschalten quittieren wir selbst am liebsten mit einem coolen Zwischengasstoß – in Zeiten zumeist flüsterleiser Antriebe lieben wir diese Geräuschkulisse. Meine charmante Begleitung am Beifahrersitz beginnt im dichten Kurvengeschlängel allmählich immer lauter mit mir zu „sprechen“, aber dieser Focus will einfach gefahren werden, und zwar flott. Der Focus zieht durch die Kurven, herrlich direkt, die adaptiven Dämpfer und das elektronische Vorderachs-Sperrdifferential leisten ganze Arbeit. 7,6 Sekunden auf 100km/h beschreiben nicht wie lässig und kraftvoll sich der Kompaktsportler anfühlt, es ist die Symbiose aus Fahrwerksabstimmung, Bremsen, Motor und Sound, welche süchtig macht. Leider ist der Dezember nicht der unbedingt passende Monat für den „Race Track Mode“.

Wobei der ST jetzt nicht als Krawallmacher dargestellt werden soll, im „normalen Modus“ ist der Ford ganz brav und auch im Tonfall sehr manierlich. Dann wird der Kombi zum Familienauto mit ordentlich Platz für fünf Personen. Die Kopf- und Beinfreiheit ist ausreichend und der Kofferraum besitzt ein Fassungsvermögen zwischen 608-1653 Liter. Noch eine gute Nachricht können wir abschließend von der Tankstelle berichten: Dieser „orange Kraftlackel“ verbraucht – obwohl erst 1.000 Kilometer am Tacho – im Durchschnitt zwischen 5,2 und 6,5 Liter Diesel, wir waren aber sicherlich nicht die Langsamsten auf der Straße! Und hätten wir unsere Fahrlaune etwas besser im Griff gehabt, hätten wir immer eine Fünf vor dem Komma geschafft!

Fazit: Kurz gesagt – wir sind beeindruckt! Dieser Focus beweist: „Wo ST draufsteht ist ST drinnen“! Kompliment an die Performance Leute von Ford, dieser Focus kann Alles! Vor allem Sport aber auch Familie, Fahrfreude und Vernunft! Zu leistbaren Preisen ab 38.350 Euro.

Und jetzt drehe ich noch eine letzte Runde mit dem ST – im Race Track Mode…

Technische Daten
Ford Focus ST Traveller 2.0l EcoBlue Diesel
Hubraum 1.999 ccm
Leistung 140 kW/190 PS
Beschl. 0-100 km/h 7,6 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
Verbrauch komb. 5,6 l/100 km
CO2-Emission 148 g/km
Focus ST Traveller Diesel ab Listenpreis 38.350 Euro

Fotos: slz