Konjunkturumfrage der IV-NÖ für das 2. Quartal 2019

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Unsicherheit sorgt für Konjunkturabschwung

Im zweiten Quartal 2019 sackte das Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung NÖ (IV-NÖ) erneut deutlich ab, auch bei den Detailergebnissen nahm die Skepsis zu.
Das IV-NÖ Konjunkturbarometer – als Mittelwert aus der Beurteilung der gegenwärtigen und zukünftigen Geschäftsentwicklung – ist seit dem ersten Quartal 2019 von +13,5 auf +4,2 Punkte gesunken. „Es ist zwar noch keine Rezession in Sicht, aber die Unsicherheit nimmt zu und die schlechtere Entwicklung wird immer deutlicher. Vor allem für die nächs- ten Monate sind die Unternehmen sehr skeptisch“, erklärt Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung NÖ (IV-NÖ). Zu dem hohen Maß an Unsicherheit tragen sowohl internationale als auch nationale wirtschaftspolitische Faktoren bei. „Auf internationaler Ebene sorgt der Handelskonflikt zwischen China und der USA für Verunsicherung. Beide Wirtschaftsmächte sind wichtige Exportmärkte für die niederösterreichischen Industriebe- triebe, die sehr exportorientiert sind. Dazu kommt der nach wie vor ungeklärte Brexit. Und auf nationaler Ebene sorgen die innenpolitischen Turbulenzen in Österreich für Unsicher- heiten, denn bereits angekündigte Reformen und Initiativen wurden zum Teil aufgescho- ben. Zudem fällt ein Teil der öffentlichen Nachfrage aus, weil Ausschreibungen vertagt wurden. Wichtig ist auch, dass es jetzt zu keinen überhasteten Parlamentsbeschlüssen oder gar Wahlzuckerl kommt, die uns später teuer zu stehen kommen. Nach der Neuwahl müssen die bereits angekündigten und notwendigen Reformen zur Entlastung der Be- triebe rasch weiterverfolgt werden, denn in Zeiten eines Konjunkturabschwungs können wir uns hier keinen Stillstand leisten. “, so Salzer.

Mehr Betriebe rechnen mit niedrigerem Beschäftigtenstand
Bei den Detailergebnissen zeigt sich, dass sich vor allem die Prognosen der Unternehmen deutlich verschlechtert haben. So gaben im zweiten Quartal mehr Betriebe (32 % aller befragten Unternehmen) an, dass sie mit einem niedrigeren Beschäftigtenstand in drei Monaten rechnen. Nur noch jedes zehnte Unternehmen rechnet damit, dass es in den nächsten drei Monaten neues Personal einstellen kann. „Viele Betriebe würden jedoch gerne mehr Personal einstellen, finden aber nicht genug Fachkräfte mit den richtigen Qua- lifikationen. Dazu kommt, dass aufgrund der demografischen Entwicklung immer mehr Pensionierungen anstehen, was sich ebenfalls auf den Beschäftigtenstand auswirkt und den Fachkräftemangel weiter verschärft“, sagt IV-NÖ-Präsident Salzer. Gut die Hälfte der befragten Unternehmen (58%) rechnet jedoch mit einem gleich bleibenden Personalstand. Unterm Strich sank der Bewertungssaldo hier von +2 auf -21 Prozentpunkte.

Wirtschaftspolitische Unsicherheit sorgt für negative Prognosen
Weiters sackte der Bewertungssaldo bei der Geschäftslage in sechs Monaten von -5 auf -24 Prozentpunkte deutlich ab. Auch die Produktionstätigkeit in drei Monaten weist mit einem Saldo von -13 Prozentpunkten einen deutlichen schlechteren Wert als im ersten Quartal dieses Jahres (+3) auf. Der Wert für die Produktionskapazität in den nächsten drei Monaten verschlechterte sich ebenfalls von -6 auf -13 Prozentpunkte. Besonders verschlechtert hat sich das Stimmungsbild bei den Erträgen in den nächsten sechs Mo- naten: Der Bewertungssaldo sank von -13 auf -27. Insgesamt rechnet ein Drittel (33%) der Unternehmen mit schlechteren Erträgen im nächsten halben Jahr. „Hier schlägt sich auch die Unsicherheit aufgrund von internationalen Handelskonflikten nieder. Schließlich erwirtschaften die niederösterreichischen Industriebetriebe durchschnittlich knapp die Hälfte ihrer Erträge im Ausland – in vielen einzelnen Unternehmen ist diese Exportquote noch deutlich höher“, so Salzer. Deutlich wird diese Entwicklung auch bei den Einschät- zungen rund um die aktuellen Auslandsaufträge. Hier sank der Saldo von +33 auf +16 Prozentpunkte. Während im ersten Quartal noch 35 Prozent aller befragten Unternehmen ihre aktuellen Auslandsaufträge als gut bezeichneten, waren es im zweiten Quartal dieses Jahres nur noch 24 Prozent der Betriebe.

Mit dem aktuellen Auftragsbestand sind ebenso nur noch 37 Prozent der Unternehmen zufrieden – im Vorquartal waren es noch knapp die Hälfte (49%). Unterm Strich sank der Bewertungssaldo hier von +41 auf +23 Prozentpunkte. Die Detailergebnisse zur Einschät- zung der aktuellen Geschäftslage und der derzeitigen Ertragssituation hielten sich konstant mit einem positiven Bewertungssaldo von +32 beziehungsweise +8 Prozentpunk- ten. Nur gering, aber dafür einmal mehr verschlechtert haben sich die Einschätzungen zu den Verkaufspreisen in den nächsten drei Monaten: Hier sank der Bewertungssaldo von -11 auf -12. „Drei Viertel der befragten Unternehmen gehen von gleichbleibenden Verkaufspreisen aus, die aufgrund von Rohstoffknappheit und internationalem Wettbewerbs- druck ohnehin bereits auf einem niedrigen Niveau sind. Jedes fünfte Unternehmen rechnet sogar mit fallenden Verkaufspreisen“, so Salzer.

Foto: Felix Büchele