Das Bruttomedianeinkommen der in Niederösterreich unselbstständig Beschäftigten betrug 2019 laut Daten des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger 2.235 Euro. Im Vergleich zu 2018 ist das ein Plus von 63 Euro bzw. 2,9 Prozent. Abzüglich der Inflation (1,5 Prozent) verringerte sich der Zuwachs des Bruttomedianeinkommens auf real 30 Euro (1,4 Prozent). Werden Sozialversicherung, Lohnsteuer und Inflation berücksichtigt, erhöhte sich das reale Nettomedianeinkommen um durchschnittlich 12 Euro pro Monat (0,8 Prozent). „Wir brauchen deutliche Reallohnsteigerungen, einen kräftigen Kaufkraftzuwachs und ein großes staatliches Investitionspaket“, fordert AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser.

Österreichweit fielen die Zuwächse stärker aus. Das reale Nettomedianeinkommen stieg gegenüber 2018 durchschnittlich um 21 Euro pro Monat (1,2 Prozent). Im Zehnjahresvergleich stieg die Kaufkraft der niederösterreichischen ArbeitnehmerInnen – hauptsächlich dank der Steuerreform 2016 – um durchschnittlich 19 Euro pro Monat (1,2 Prozent), österreichweit stieg das Nettomedianeinkommen im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 50 Euro pro Monat (3,1 Prozent). Den negativen Auswirkungen der Corona-Krise müsse entgegengesteuert werden. „In diesem Zusammenhang ist es notwendig, jetzt ein großes staatliches Investitions-Paket umzusetzen, etwa in den Bereichen Digitalisierung, Forschung öffentliche Infrastruktur oder Bau. Davon profitieren ArbeitnehmerInnen, Unternehmen und die Gemeinden in hohem Maße. Ein zentrales Thema der Zukunft ist zudem die faire Verteilung von Arbeit und Einkommen: Die Produktionszuwächse der vergangenen Jahre müssen abgegolten werden“, so Wieser.

„Im Bundesländervergleich lag das niederösterreichische Medianeinkommen mit 2.235 Euro knapp vor Tirol (2.231 Euro) an siebenter Stelle. Das Bundesland mit dem höchsten Einkommensniveau war Vorarlberg (2.470 Euro), jenes mit dem geringsten Medianeinkommen das Burgenland (1.984 Euro)“, sagt AK Niederösterreich-Wirtschaftsexperte Mag. Matthias Koderhold. Das Mostviertel war die Region mit dem höchsten Einkommensniveau. Das zweithöchste Einkommensniveau wies das Industrieviertel auf, gefolgt vom Zentralraum. Schlusslicht hinter dem Waldviertel war das Weinviertel, dessen Einkommensniveau um 11,0 Prozent unter dem niederösterreichweiten lag. Seit Jahren hält sich Amstetten an der Spitze des Bezirksrankings (Medianeinkommen: 2.518 Euro), gefolgt von St. Pölten Stadt mit 2.368 Euro und Waidhofen/Ybbs (2.363 Euro). Der Bezirk mit dem niedrigsten Medianeinkommen war abermals Krems Land mit einem Einkommensniveau in Höhe von 1.736 Euro.

Frauen verdienten rund ein Drittel weniger

In Niederösterreich lag das Medianeinkommen der Frauen im Jahr 2019 mit 1.743 Euro um 813 Euro unter jenem der Männer (2.556 Euro). Die Einkommensdifferenz zwischen den Geschlechtern betrug damit 31,8 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr verringerte sich der geschlechtsspezifische Einkommensunterschied um 0,4 Prozentpunkte. Österreichweit verringerte sich die Einkommensdifferenz im Jahresvergleich ebenfalls (um 0,3 Prozentpunkte) und war mit 29,8 Prozent geringer als in Niederösterreich.

Eine wichtige Voraussetzung zur Schließung der Einkommensschere zwischen Frauen und Männern ist eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 75 Prozent der Frauen haben ihre die Arbeitszeit aufgrund der Kinderbetreuungspflicht reduziert, so das Ergebnis einer Studie der AK Niederösterreich. „Die Hälfte der Frauen in Teilzeitbeschäftigung möchte aber deutlich mehr arbeiten (30 statt 20 Stunden). Wenn Beschäftigte also ihre Arbeitszeit aufstocken wollen, dann müssen dazu auch die Rahmenbedingungen und Möglichkeiten vorhanden sein“, fordert Wieser.

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