Greenpeace und ARCHE NOAH fordern anlässlich der GAP-Verhandlungen mehr Agrarförderungen für Vielfalt auf den Feldern

Ein neuer Bericht von ARCHE NOAH und Greenpeace zeigt anhand von Case Studies, warum österreichische Bio-Betriebe besser durch die Corona- und Wirtschaftskrise gekommen sind, als viele konventionelle. Zukunftstauglich und krisensicher macht die Bio-Betriebe etwa ihre vielfältige Wirtschaftsweise: Sowohl die Kulturpflanzen- und Sortenvielfalt im Anbau als auch eine Vielfalt von Betriebszweigen und Absatzwegen ermöglichen Flexibilität auch während der Coronakrise.

Aber auch die geringe Abhängigkeit von global gehandelten Pestiziden, Futter- und Düngemitteln – deren Vertrieb seit Beginn der Krise teilweise eingeschränkt war – kommt den Betrieben zugute. Anlässlich der aktuellen Verhandlungen über die Gemeinsame Agrarpolitik fordern Greenpeace und ARCHE NOAH von Landwirtschaftsministerin Köstinger und Umweltministerin Gewessler, Österreichs Landwirtschaft fit für die Anforderungen von morgen zu gestalten. Agrarförderungen müssen künftig stärker an eine vielfältige, umweltfreundliche, moderne Wirtschaftsweise geknüpft werden.

“Vielfalt in der Landwirtschaft leistet einen enormen Beitrag zum Stopp der Biodiversitätskrise, vielfältig wirtschaftende Betriebe sind widerstandsfähiger gegen ökonomische und ökologische Schocks. Vielfalt in den Gärten und Feldern, mit samenfesten Sorten und biologischer Wirtschaftsweise macht unabhängig von Saatgut- und Agrochemie-Konzernen. Starke ökologische und lokale Kreisläufe und Partnerschaften tragen zu unserer Ernährungssicherheit auch in Krisenzeiten bei. Umweltministerin Gewessler und Landwirtschaftsministerin Köstinger müssen deshalb die Diversität in der Landwirtschaft in der österreichischen Biodiversitätsstrategie verankern und bei den Agrarförderungen eine Wende zu mehr Vielfalt einleiten”, sagt Dagmar Urban, politische Referentin bei ARCHE NOAH.

“Die Corona-Krise hat bei uns auch ein neues Bewusstsein für den Wert von regionalen, umweltfreundlichen und vielfältigen Lebensmitteln geschaffen. Landwirtschaftsministerin Köstinger und Umweltministerin Gewessler müssen jetzt die richtigen Schlüsse aus der Krise ziehen und dafür sorgen, dass die Agrarfördermilliarden in Zukunft vor allem umweltfreundlichen, vielfältigen Betrieben zugute kommen und nicht weiterhin eintönigen Monokulturen”, sagt Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace in Österreich.

Der Report “Mit vielfältiger Landwirtschaft sicher durch die Krise -Warum die Corona-Krise vielfältigen Bio-Betrieben nichts anhaben konnte” zeigt Case Studies von drei Vorzeigebetrieben – Biohof Schmidt, Lerchenhof und Biosain – die dank vielfältiger, biologischer Landwirtschaft und starker lokaler Verankerung besonders gut durch die Corona- und Wirtschaftskrise gekommen sind. Besonders krisensicher machte die Betriebe ihre vielfältige Wirtschaftsweise:

Alle setzen auf eine hohe Vielfalt an Sorten und Arten im Anbau. Der Lerchenhof etwa produziert rund 150 verschiedene Gemüsesorten auf nur einem halben Hektar. Biosain baut allein 150 verschiedene Paradeisersorten an.

Auch die vielfältigen Absatz- und Betriebswege, etwa über Direktvermarktung, solidarische Landwirtschaft und Gastronomie kamen den Betrieben in der Coronakrise zugute. So setzt der Betrieb Biosain etwa auf eine gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft – d.h. 80 Familien erhalten wöchentlich für die gesamte Saison eine Gemüsekiste. Der Biohof Schmidt kam aufgrund verschiedener Vertriebswege – Hofladen, Foodcoops, Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Sonnentor – gut durch die Coronakrise.

Auch die geringe Abhängigkeit von global gehandelten Agrargütern wie Futtermitteln und Pestiziden sowie der Einsatz innovativer ressourcenschonender Methoden – wie etwa Gemüseanbau mittels Etagenkultur – gab den Betrieben in der Krise Rückhalt. Die zukunftsgerichtete Wirtschaftsweise bringt auch eine langfristige Krisenfestigkeit mit: Während es in weiten Teilen der Landwirtschaft zu Bodenerosion und Überdüngung kommt, etwa durch intensiven Maisanbau für Futtermittel, ist die vielfältige Biolandwirtschaft bodenschonend. “Eine vielfältige Biolandwirtschaft ist anpassungsfähiger an Umweltveränderungen und sie stellt sich der Klimakrise erfolgreich entgegen”, so die Vertreterinnen von Greenpeace und ARCHE NOAH.

Foto: © Mitja Kobal/Greenpeace