VPNÖ Arbeitsklausur: Neue Wirtschaftsstrategie wird erarbeitet, neue Wohnbaustrategie tritt in Kraft, Schritte gegen Ärztemangel gefordert

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Mikl-Leitner: „Stadt und Land, Hand in Hand so machen wir NÖ zum Zukunftsland mit Hausverstand“

„NÖ ist das Bundesland, das sich in den letzten Jahren am stärksten gewandelt hat, das zeigt sich allen voran am Strukturveränderungsindex, der die Veränderungen in den Wirtschaftssektoren darlegt – NÖ weist hierbei in den letzten 10 Jahren den höchsten Grad an Strukturveränderung aus (siehe Grafik anbei). Gleichzeitig zeigen die wichtigsten Indikatoren, dass wir diese Veränderung positiv begleiten konnten, dass wir Chancen, die sich ergeben haben auch genutzt haben: Heute gibt es 116.000 Unternehmen – vor 15 Jahren waren es 72.000, wir zählen 620.000 Beschäftigte – vor 15 Jahren waren es 520.000, unsere Warenexporte haben sich von 12 auf 23 Mrd. Euro fast verdoppelt und mehr als verdoppelt in den letzten 15 Jahren hat sich unsere Forschungsquote, nämlich von 0,9 % auf 2 %. Unser Land hat sich in der Struktur gewandelt und bleibt weiterhin auf der Überholspur. Für die Zukunft ist für uns wichtig, dass wir in allen unterschiedlichen Regionen unseres Landes die gleichen Chancen bieten und nutzen können. Stadt und Land, Hand in Hand, so machen wir NÖ zum Zukunftsland mit Hausverstand“, betonte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner im Rahmen der VPNÖ-Arbeitsklausur. Dabei wurde die Erarbeitung einer neuen NÖ Wirtschaftsstrategie angekündigt, die konkrete Umsetzung der Wohnbaustrategie präsentiert sowie gezielte Schritte im Gesundheitsbereich von einer neuen Bundesregierung gefordert.

NÖ Wirtschaftsstrategie: 5 Chancen für NÖ nutzen
„Niederösterreich hat sich vom Land am Rand zum Land an der Spitze entwickelt- das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass NÖ heute die höchste Kaufkraft Österreichs vorweisen kann. Diesen Weg wollen wir weitergehen und dazu braucht es in den nächsten Jahren eine klare Strategie – unsere neue Wirtschaftsstrategie 2025 – mit der wir fünf Chancen für NÖ nutzen wollen. Zum ersten wollen wir die Chancen der Dezentralisierung nutzen. So sollen Unternehmen dabei unterstützt werden, mehr Arbeitsbereiche an dezentralen Standorten zu erledigen. Zum Zweiten wollen wir aber auch die Chancen der Internationalisierung nutzen. Mit einem Exportvolumen von 23,1 Milliarden Euro sind wir in NÖ der Exportmotor der Ostregion. Eine Situation, die wir aktiv nutzen wollen, um unsere Stellung als internationaler Wirtschaftsstandort weiter auszubauen. Zum dritten wollen wir aufbauend auf unseren bisherigen Aktivitäten am Puls der Zeit bleiben und die Chancen der Digitalisierung nutzen, denn gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist sie ein Türöffner. Niederösterreichs Unternehmen heben sich vor allem durch Qualität und Innovation von der Konkurrenz ab. Intelligente Produkte und Dienstleistungen sind Garant für unsere Wettbewerbsfähigkeit. Daher wollen wir zum vierten die Chancen für innovative und qualitative Produkte und Dienstleistungen nutzen. Wir wollen jene Unternehmen unterstützen, die auf konsequente auf innovative Lösungen setzen. Weiters wollen wir als fünfte Maßnahme, den Klima- und Umweltschutz als wirtschaftliche Chance betrachten. Für uns schließen sich Wirtschafts- und Klimapolitik nicht aus, sondern gehen miteinander einher. Eine Modellrechnung bis zum Jahr 2050 hat ergeben, dass in der Umstellung auf erneuerbare Energien ein enormes wirtschaftliches Potential steckt. So ist es für NÖ möglich, die Gesamtkosten der Energieversorgung sogar zu senken, die regionale Wertschöpfung nahezu zu verdoppeln, die Handelsbilanz um zwei Milliarden Euro zu verbessern und die Treibhausgase um 80 % zu reduzieren“, so die Landeshauptfrau.

Neue NÖ Wohnbaustrategie: 6 Maßnahmen für den ländlichen Raum
„Der ländliche Raum soll aber nicht nur als Wirtschafts- und Arbeitsplatzstandort weiter attraktiviert werden, sondern auch als zu Hause leistbar und lebenswert bleiben. Mit 1. Oktober werden die Richtlinien unserer neuen Wohnbaustrategie in Kraft treten. Neben der Verdoppelung des Förderdarlehens für Jungfamilien und dem Vorrang blau-gelb im geförderten Wohnbau sind insbesondere ein Bonus für

Abwanderungsregionen sowie Maßnahmen zur Belebung der Ortskerne vorgesehen“, so die Landeshauptfrau, die sechs Maßnahmen präsentierte: Zum ersten erhalten die Regionen in denen zwischen 2008 und 2018 die Bevölkerung zurückgegangen ist, ein erhöhtes Förderdarlehen im Neubau von Eigenheimen, je nach Abwanderungsgrad von 3.000 Euro bis zu 6.000 Euro. Zweitens soll durch die Schaffung eines „Bauherrenmodells“ für gewerbliche Bauträger künftig die Möglichkeit bestehen, Förderungen zu beantragen, wenn sie leerstehende Gebäude in Ortszentren als Miet-Wohnungen sanieren. Drittens bekommen Häuslbauer beim Neubau in Ortskernen bis zu 12.000 Euro an Förderdarlehen zusätzlich. Ein Bonus bei Sanierungen im Ortskern ist die vierte Maßnahme, dieser gilt für den Eigenheimbereich sowie für gemeinnützige Genossenschaften. Fünftens sollen mit einer Förderung von Geschäftsflächen im Ortskern gezielt Unternehmer dazu motiviert werden, im Ortskern zu investieren. Gerade die Sicherstellung von Nahversorgern spielt hier eine ganz bedeutende Rolle. Die Ermöglichung von Home-Office-Lösungen im geförderten Wohnbau ist die sechste Maßnahme, hier muss keine anteilige Rückzahlung für den gewerblichen Bereich mehr geleistet werden.

Ärztemangel: 4 Schritte von zukünftiger Bundesregierung erwartet
„Wenn es um die Lebensqualität im Land geht, dann geht es dabei auch um eine flächendeckende Gesundheitsversorgung. Eine zentrale Herausforderung ist, dass in den nächsten zehn Jahren rund 50 % der Hausärzte in Pension gehen. Gleichzeitig werden auch zu wenige Jung-Mediziner an den Universitäten ausgebildet. Noch vor 20 Jahren standen alleine in Wien 2.000 Studienplätze zur Verfügung, jetzt sind es 1.680 an allen Medizin-Unis zusammen. Davon sind aber 25 % für Nicht-Österreicher reserviert. Das heißt, es bleiben 1.280 Studienplätze über. Dadurch wird es für Sozialversicherungsträger und Ärztekammer immer schwieriger, Stellen zu besetzen. Als Land stehen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten den betroffenen Gemeinden, den Krankenkassen und der Ärztekammer zur Seite. So wurden durch unsere Initiative Landarzt bereits 24 Gemeinden mit offenen Kassenstellen beraten. Das Land unterstützt zudem mit bis zu 50.000 Euro die Instandsetzung von Ordinationen. An der Karl Landsteiner Universität werden mittlerweile knapp 400 Mediziner ausgebildet, im Vollausbau werden es im Jahr 2026 sogar 600 sein. Klar ist aber, dass es zusätzliche Maßnahmen auf Bundesebene braucht. Die letzte Bundesregierung hat mit der Möglichkeit der Anstellung von Ärzten durch andere Ärzte, sowie der Möglichkeit zur Errichtung von Gesundheitszentren erste wichtige Schritte gesetzt. Die weiteren Schritte, die von der nächsten Bundesregierung gesetzt werden müssen sind: 1. die Verdoppelung der Medizinstudienplätze, 2. die Schaffung von Stipendien mit Länder-Kontingenten, 3. die Schaffung eines Facharztes für Allgemeinmedizin und eine Erhöhung der Ausbildungsplätze sowie 4. Maßnahmen zum Ausbau der Telemedizin“, betont die Landeshauptfrau.

Foto: VPNÖ