„Weil es wirklich wichtig ist“

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Triebwerk Bereichsleiter Conrad Heßler mit der Geschäftsführung des Vereins Jugend & Kultur Bernhard Kristen und Susanne Marton im Jugend- und Kulturhaus Triebwerk

Das Jugend- und Kulturhaus Triebwerk hat die finanziellen Einschränkungen der letzten Jahre und auch die aktuelle Situation in der Pandemie mit Professionalität und viel Einfallsreichtum bewältigt. Und so ungewiss sie auch ist, so optimistisch schaut man aktuell in die Zukunft.

„Es würde enorm viel verloren gehen, sollte es das Triebwerk nicht mehr geben“, betonte die Geschäftsführerin des Vereins Jugend & Kultur am Montag in Wiener Neustadt. Der Verein lud zum Gespräch über die aktuelle Situation am Alten Schlachthof, wo der Verein seit 1996 das Jugend- und Kulturhaus Triebwerk betreibt. Ein Kulturbetrieb, der durch wiederholte Förderungskürzungen seit 2006 Jahr für Jahr ums Überleben kämpft. Und dann auch noch Corona… Trotzdem: Das 25-jährige Jubiläum 2021 im Blick, ist das Team fest entschlossen, das Triebwerk zu erhalten und sogar noch weiter zu gehen.

Rückblick 2020

33 geplante Veranstaltungen musste das Triebwerk-Team mit Beginn der Ausgangsbeschränkungen Mitte März absagen oder verschieben. „Wir konnten aber auf diese radikal neue Situation schnell reagieren, unser Angebot ins Internet verlegen und die „Tiny Triebwerk Sessions“ etablieren. Außerdem haben wir im Sommer mit dem „Summer Breeze“-Festival auf mehr Outdoor-Veranstaltungen gesetzt“, erzählt Triebwerk Bereichsleiter Conrad Heßler über die Folgen der Pandemie. Solch spontane Umstellungen in einem Kulturbetrieb gehen aber auch nur, weil die Strukturen und eine Basisförderung vorhanden sind, was gerade in Zeiten wie diesen wichtig ist, betont Heßler.

Aktuell dürfen bei Veranstaltungen statt 100 nur noch maximal 30 Leute ins Triebwerk und alle empfohlenen Maßnahmen werden eingehalten, das bedeutet: weniger Einnahmen durch Tickets und Getränkeverkauf.

„Wandeln auf einer Slackline“

„Es wackelt, man ist permanent am Ausbalancieren und hat den Abgrund vor Augen“, erzählt die Finanzchefin des Vereins, Susanne Marton über die finanzielle Situation des Triebwerks. „Wir sind sehr gut im Improvisieren und haben zum Glück Spender und Mäzene, die uns in den letzten Jahren geholfen haben.“

Anfang 2020 jedoch stand fest, dass es ohne eine Rücknahme der Förderkürzungen nicht mehr gehen würde. Diese Hoffnung, wieder ausreichend Förderung zu bekommen, ist mit Corona dahin. „Wir haben jetzt alle Möglichkeiten – von Kurzarbeit bis NPO-Fonds – ausgeschöpft, um die Erlösentfälle auszugleichen. Außerdem zeigen uns unsere Mäzene auch heuer wieder wie wichtig die Kulturarbeit hier ist“, erklärte Marton, „deswegen haben wir uns entschlossen, nicht zuzusperren, da dies ein fatales Zeichen in dieser Zeit wäre. Es wurde zu viel aufgebaut um es mit einem Handstreich zu schließen.“

Ausblick 2021

„Ich glaube, wir wissen alle wie wichtig und notwendig Jugend-Kulturarbeit in so einer großen, urbanen Stadt wie Wiener Neustadt ist und wie wichtig in dieser Zeit Kunst und Kultur sind. Deswegen wollen wir uns nicht von der Planungsunsicherheit demotivieren lassen, sondern wollen das Jahr 2021 – unser 25-jähriges Bestehen – zum Anlass nehmen, um das Triebwerk gestärkt in neue Zeiten zu führen“, zeigt sich Bernhard Kristen, neben Susanne Marton seit September Geschäftsführer im Verein Jugend & Kultur, optimistisch. Denn die Jugendkultur sei in einem massiven Wandel. Die digitalen und medialen Lebenswelten werden immer wichtiger und die Pandemie wirkt wie ein Turbo auf diese Entwicklung, während das soziale Leben im „Real Life“ eingeschränkt ist und die Bildungs- und Jobaussichten alles andere als rosig ausschauen. Dem will man in Zukunft auch im Triebwerk mehr Rechnung tragen.

„Generation Corona“

Dazu wird es im Dezember im Triebwerk ein Diskussions-Forum geben. Das Thema: „Generation Corona“ – über die Auswirkungen der Pandemie für Jugendliche in den Bereichen Bildung, Freizeit, Arbeit und Kultur mit Jugendkulturforscher Manfred Zentner und weiteren Expert_innen. Termin: Donnerstag, 3. Dezember 2020

Foto: Verein Jugend & Kultur, Harald Steiner