Auto-Doppeltest Mercedes-Benz A200 Limousine
und Mercedes-Benz CLA 180d Coupé

Mercedes A-Klasse Limousine versus Mercedes CLA Coupé – wir testeten umfangreich die beiden „Sterne“. Was trennt die beiden Premiumkompakten, was ist ihnen gemein? Diesel oder Benziner, Limousine oder Coupé, mehr Vernunft oder doch Sport? Eines vorweg, wer „A“ sagt sollte auch an „CLA“ denken!

In den letzten Jahren hat Mercedes mit einer wahren Flut an neuen Modellreihen um Käufergunst geworben – mit Erfolg. Selbst für uns Autojournalisten war es ein wenig überraschend, als Mercedes im 4. Quartal 2018 eine A-Klasse Limousine präsentierte. In der Folge stellte man 2019 den neuen CLA in der Coupé-Version vor, mit gleicher Plattform, gleichem Konzept einer viertürigen Limousine, ähnlich verpackt. Doch schaut man genauer, besitzen A und CLA unbestritten Individualität und damit auch in der „heiß umkämpften Kompaktklasse“ ihre Daseins-Berechtigung. Generell ist es schon beeindruckend, welch unterschiedlichste Modelle Mercedes-Benz, basierend auf einer Plattform (A-/B-Klasse, CLA, GLA, GLB usw.) in unterschiedlichsten Varianten (Schrägheck, Limousine, Coupé, Shooting Brake, Crossover, usw.) entwickelt hat. Zu recht, denn Angebot schafft bekanntlich Nachfrage, eine große Modellauswahl hat auch beim „Autogeschäft“ noch nie geschadet.

Rein äußerlich betrachtet wirken A und CLA nur von der Ferne gleich. Dazu trägt auch die optionale AMG-Line der beiden Testkandidaten bei. Näher betrachtet, fällt aber sofort das unterschiedliche Heck auf. Bei der A-Klasse Limousine schon sehr gelungen, wirkt der CLA-Hintern noch sportlicher. Aber auch die Frontpartie und vorallem die LED-Lichtsignatur unterscheidet sich, auch wenn man genauer hinsehen muss. Insgesamt ist das CLA Coupé trotz gleichem Radstand von 2.729 mm um knapp 14 cm länger, 3,4 cm breiter, aber 7 mm niedriger als die A-Klasse Limousine. Der CLA möchte ja auch als kleiner Bruder des CLS gesehen werden, was auch wirklich zutrifft. Allerdings wird es in Verbindung mit der schneidig abfallenden rückwärtigen Dachlinie im CLA auf der Rücksitzbank im Kopfbereich enger als in der A-Klasse. Innen ganze 3,9 cm niedriger, aber Schönheit muss halt leiden. Der CLA, egal ob Coupé oder Shooting Brake, wird nie DAS perfekte Familienauto sein, dafür fährt immer eine große Portion Lifestyle mit. Die A-Limousine ist hier kompromissloser, jeder Zentimeter soll dem Platzangebot und nicht vordergründig der Optik zugute kommen. Die Sitzposition ist beim A insgesamt übersichtlicher, beim CLA tiefer und sportlicher. Beachtlich ist dennoch, der CLA stellt den etwas größeren Kofferraum zur Verfügung, nämlich 460 Liter im Vergleich zu den 420 Litern der A-Klasse Limousine. Das „Beladungsszenarium“ ist bei beiden ähnlich: Der Kofferraumdeckel schwingt auf Wunsch fernbedient oder mit der bekannten „Fußentriegelung“ auf, beim Einladen muss dann eine Ladekante überwunden werden. Aber zusammengefasst, beide Fahrzeuge sind perfekt für Vier und nicht unbedingt für die Großfamilie gebaut.

Im Interieur herrscht Gleichstand: ebenfalls dank optionaler AMG-Line, erwartet die Passagiere moderne Sportlichkeit in Kombination mit hochwertigen Materialien. Geboten werden straffe Sitze mit Seitenhalt, eine ähnliche Armaturenlandschaft samt vorbildlicher Ergonomie. Auch Stauräume sind ausreichend vorhanden, Türen und Mittelkonsole besitzen große Fächer. Der Automatikwahlhebel sitzt wie von Mercedes-Benz erwartet, als rechter „Blinkerhebel“ am Lenkrad. Technisch on top: Das MBUX (Mercedes-Benz User Experience) mit brillianten Bildschirmen, Grafiken mit individualisierbaren, zig-fachen Darstellungen dank digitaler Amaturen sowie ein perfektes Navigationsystem – mehr geht nicht. In Verbindung mit einem leistungsstarken Rechner und der wirklich bestens funktionierenden Sprachsteuerung mit dem Schlüsselwort „Hey Mercedes“ liefert das Cockpit, egal ob CLA oder A-Klasse, nicht nur die besten Ergebnisse, sondern sorgt für einen unübertrefflichen Wow-Effekt bei den Mitfahrern. Bei nächtlichen Fahrten rückt die dimmbare Ambientebeleuchtung mit 64 verschiedenen Farbmöglichkeiten beide Innenräume ins rechte Licht.

Wie fahren sich die beiden? Die A-Klasse recht sportlich dank 163 PS starkem Benziner, das CLA Coupé ist mit dem 116 PS starkem Dieselaggregat natürlich spürbar unterlegen. Bei beiden Fahrzeufen überträgt eine musterhaft arbeitende 7-Gangautomatik die Leistung, Schaltvorgänge passieren unmerklich und sind nur am Drehzahlmesser zu bemerken. Wer aktiv ins Schaltgeschehen eingreifen will, kann das Getriebe sowohl bei A als auch CLA per Paddles am Lenkrad bemühen. Wer den Sport Modus wählt, erhält hier wie da ansprechende Fahrleistungen, dabei fühlt sich der stärkere Benziner des A natürlich lebendiger an, klingt mit steigenden Drehzahlen sonorer, der 180 d beschleunigt ebenfalls ausreichend aber unspektakulär. Selbstverständlich, der Benziner liebt höhere Drehzahlen, der Selbstzünder bietet aus dem Drehzahlkeller heraus mehr Durchzugskraft. Die reinen Fahrwerte: Höchstgeschwindigkeit 205 km/h und 10,7 Sekunden für das CLA 180 d Coupé, 230 km/h und 8,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h können hier schlecht verglichen werden. Das Handling der beiden Probanden hingegen schon, beide Autos besitzen das optionale AMG Fahrwerk. Und hier hat das CLA Coupé die Nase vorne, durch eigenständig verbaute Achsen ist die Spur vorne um 45 mm und hinten um 55 mm breiter als bei der A-Limo, das Coupé liegt nicht nur subjektiv satter auf der Straße, gefühlt ist die Fahrdynamik in Kurven noch exzellenter. Übrigens herrscht bei der Sicherheitsausstattung wiederrum Gleichstand, unzählige Sicherheitsassistenten bemühen sich um eine sichere Fahrt. Kleine Kritik: der Spurhalteassistent greift uns manchmal zu harsch und unverhofft ins Fahrgeschehen ein, einseitiges Ziehen an der Lenkung und ein recht lautes „Bremsgeräusch“ erschrecken dann ein wenig.

Beim Verbrauch ist der Diesel natürlich knausriger als sein Benzinkontrahent, obwohl auch der Turbobenziner durchaus sparsam mit dem Treibstoff umgeht. Dementsprechend verbraucht das CLA 180 d Coupé auf 100 km knapp 2 Liter weniger Sprit als die A-Klasse Limo, allerdings ist die Leistung der beiden Motoren nicht wirklich vergleichbar. An dieser Stelle sei erwähnt: beide Modelle sind in verschiedensten Diesel und Benzinvarianten bis hin zu AMG Versionen erhältlich.

Fazit: Bei einem Vergleichstest Mercedes gegen Mercedes kann es nur Gewinner geben. In vielen wichtigen Parametern liegen die beiden Modelle gleichauf, die Unterschiede sind marginal. Wer sich für einen der beiden Testkandidaten interessiert, sollte daher in jedem Fall beide ausgiebig testen. Wie erwartet, bestechen beide Mercedes-Benz mit bester Qualität und dem wohl derzeit schönsten „Wow-Effekt Cockpit“. Das kostet natürlich: Die A-Klasse Limousine mit Sonderausstattung 45.124,98 Euro, das CLA Coupé exakt 50.558,10 Euro. Abschließend noch eine letzte Gemeinsamkeit der beiden Testwagen: Beide Automobile tragen zu Recht den Stern im Kühlergrill.

Fotos: stadtlandzeitung

Technische Daten
Mercedes-Benz A200 Limousine 7G-DCT AMG Line
Hubraum 1.332 ccm
Leistung 120 kW/163 PS
Beschl. 0-100 km/h 8,3 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
Verbrauch komb. 5,8 l/100 km
CO2-Emission 131 g/km
Listenpreis A-Klasse Lim. ab 29.620 Euro

 

Technische Daten
Mercedes-Benz CLA 180d Coupé 7G-DCT AMG Line
Hubraum 1.461 ccm
Leistung 85 kW/116 PS
Beschl. 0-100 km/h 10,7 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 205 km/h
Verbrauch komb. 3,9 l/100 km
CO2-Emission 104 g/km
Listenpreis CLA Coupé ab 34.340 Euro