Im Jahr 1970 fand die erste Ausstellung von Werken der späteren Künstler aus Gugging in der legendären Wiener „Galerie nächst St. Stephan“ statt. Damit war der Beginn eines beispiellosen Aufstiegs von Vertretern der Art Brut in der Kunstwelt markiert. Heute haben sich Arbeitsbedingungen und gesellschaftliche Anerkennung für die Künstler vollkommen geändert, und Künstler aus Gugging wie Johann Hauser, August Walla und Oswald Tschirtner sind international bekannt. Das museum gugging präsentiert in seiner neuen Dauerausstellung Arbeiten aus fünf Jahrzehnten Gugginger Kunstschaffens. Der Schwerpunkt der Schau liegt auf der gegenwärtigen Generation Künstler aus Gugging: Laila Bachtiar, Leonhard Fink, Helmut Hladisch, Arnold Schmidt, Jürgen Tauscher, Karl Vondal oder Günther Schützenhöfer sind die neuen Künstler aus Gugging, deren vorwiegend zeichnerische Arbeiten einen großen Teil der Ausstellung prägen. Johann Garber, Bindeglied zwischen den Generationen, steht mit seiner Arbeit „EIN FADES GEHIRNGEFÜHL.“ Pate für den Titel der Schau.
Franz Kernbeis, Ohne Titel, 2016 © Privatstiftung – Künstler aus Gugging

Die renommierte Fotografin Maria Ziegelböck hat in einem über mehrere Wochen laufenden Projekt Fotoporträts der gegenwärtigen Künstler aus Gugging aufgenommen. Maria Ziegelböck und das museum gugging präsentieren ihre Arbeiten ebenfalls ab 26. April 2018 im Garber Salon.

Foto: Helmut Hladisch, Apfel, 2016 © galerie gugging

Die Künstler aus Gugging

Im Laufe der vergangenen 50 bis 60 Jahre entstand in Gugging ein breites Œuvre an künstlerischen Werken. Die Namen der ersten Generation der Künstler aus Gugging, zu der Johann Hauser, August Walla, Rudolf Horacek, Johann Korec oder Oswald Tschirtner gehören, sind heute zum Begriff geworden, ihre Arbeiten werden weltweit in Ausstellungshäusern gezeigt und erreichen am Kunstmarkt beachtliche Preise.
Johann Hauser wurde durch seine intensiven Frauendarstellungen aus dem Jahr 1986 bekannt, die Reduktion und Ruhe von Oswald Tschirtners Arbeiten oder August Wallas sprachliches und bildnerisches Universum faszinieren die BetrachterInnen bis heute. Einige Künstler der ersten Generation sind inzwischen verstorben, eine jüngere Künstlergeneration bewohnt das Haus der Künstler und arbeitet hier. Das atelier gugging ist seit 2001 ein weiterer Ort der Kunstproduktion für die Künstler aus Gugging geworden. Johann Feilacher, künstlerischer Leiter und Kurator des museum gugging, war es ein Anliegen, in der Ausstellung „gehirngefühl.! kunst aus gugging von 1970 bis zur gegenwart“ alle
Gugginger Künstlergenerationen und ihre Positionen zu präsentieren. Erstmals liegt der Fokus der Schau aber auf aktuellen Arbeiten zeitgenössischer KünstlerInnen. So ist beispielsweise Laila Bachtiar prominent in der Ausstellung vertreten. Ihre besondere Linienführung ist ein wesentliches Charakteristikum ihrer Kunst. Oft tritt der tatsächliche Inhalt der Blätter zurück hinter die beeindruckende zeichnerische Dichte.
Leonhard Finks künstlerisches Œuvre besteht fast ausschließlich aus Bleistiftzeichnungen, wobei kleinteilige und aufwendig gestaltete Landkarten den Schwerpunkt bilden. Oftmals verflechtet Fink Text und Bild und bietet den Betrachtenden mehrere Leserichtungen in seiner zeichnerischen Welt an. Arnold Schmidts dynamische Arbeiten überzeugen durch ihre Kraft und Intensität. Die Linien und Farben sind so dicht und zudem übereinandergelagert, dass viele Schichten entstehen, die miteinander verschmelzen. Schmidt ist der Meister dieser Mischfarben. Weitere zeitgenössische Künstler aus Gugging sind Helmut Hladisch, Günther Schützenhöfer, Jürgen Tauscher oder Johann Garber und Karl Vondal, die 2017 in einer Sonderschau präsentiert wurden.

Bis 2021 im museum Gugging.

Foto: August Walla, Zwei Engel, 1986, (c) Art Brut KG