Mario Antúnez

Ich, Mario Antúnez, wurde in der Stadt La Ceiba (Honduras) als jüngstes von fünf Kindern 1976 geboren. In meiner Familie war ich der einzige Junge – und auch der einzige Gehörlose. Wir waren sehr arm und wohnten in einer gefährlichen Gegend. Als ich 4 war, starb mein Vater bei einem Arbeitsunfall. Damit wurde für uns alles noch schwieriger.

Meine Mutter tat ihr Bestes, damit es uns Kindern gut ging. Trotzdem fehlte ihr oft das Geld, um mir Kleidung zu kaufen.

Weil ich nichts Warmes zum Anziehen hatte, war mir oft kalt, wenn es regnete.

Als ich älter wurde, lernte ich die Honduranische Gebärdensprache (LESHO). So konnte ich mit anderen Gehörlosen kommunizieren. Da meine Mutter und meine Geschwister LESHO nicht sprechen konnten, verständigten wir uns mit einigen wenigen Gebärden und selbst erfundenen Handzeichen. Meine Mutter liebte mich und schützte mich vor Gefahren. Mit den wenigen Gebärden, die sie kannte, warnte sie mich vor schlechten Gewohnheiten, wie Rauchen und zu viel Alkohol. Dafür bin ich ihr so dankbar! Ich hatte nie Suchtprobleme.

Als Kind ging ich mit meiner Mutter eine Zeit lang zum katholischen Gottesdienst. In der Kirche langweilte ich mich, weil nichts in Gebärdensprache übersetzt wurde und ich deshalb nie etwas verstand. Mit 10 Jahren hörte ich auf mitzugehen. Trotzdem hatte ich den Wunsch, mehr über Gott zu erfahren.

Im Jahr 1999 – ich war damals 23 – lernte ich eine Frau aus den Vereinigten Staaten kennen, die einer evangelischen Kirche angehörte. Von ihr lernte ich einiges aus der Bibel. Sie brachte mir auch die Amerikanische Gebärdensprache (ASL) bei. Was ich aus der Bibel lernte, gefiel mir so gut, dass ich Pastor werden wollte. Also zog ich nach Puerto Rico und nahm an einem christlichen Lehrgang für Gehörlose teil. Als ich 2002 nach La Ceiba zurückkam, gründete ich mit der Hilfe einiger Freunde eine eigene Kirche für Gehörlose. Patricia, die mich dabei ebenfalls unterstützt hatte, wurde später meine Frau.

Damit die Gehörlosen etwas verstehen konnten, hielt ich in unserer Kirche die Predigten auf LESHO, zeigte Bilder von biblischen Geschichten und spielte diese nach. Außerdem besuchte ich die Gehörlosen in der Umgebung, um sie zu ermuntern und bei Problemen zu helfen. Ich ging sogar in die Vereinigten Staaten und nach Sambia auf Missionsreise. Tatsache war aber: Über die Bibel wusste ich nur das, was man mir erzählt hatte und was ich von Bildern kannte. Mehr konnte ich anderen auch nicht erzählen. Ich hatte ja selbst noch so viele Fragen.

Eines Tages fingen Mitglieder meiner Kirche an, Lügen über mich zu verbreiten. Sie behaupteten, ich wäre ein Trinker und würde meine Frau betrügen. Ich war enttäuscht und wütend. Kurz darauf verließen Patricia und ich die Kirche.

WIE DIE BIBEL MEIN LEBEN VERÄNDERT HAT

Zeugen Jehovas hatten uns schon oft besucht, aber wir wollten nie mit ihnen reden. Nachdem wir nun nicht mehr in unsere Kirche gingen, begann Patricia dann doch ein Bibelstudium mit Zeugen Jehovas. Ihre Bibellehrer waren Thomas und Liccy, ein Ehepaar. Es beeindruckte mich, dass die beiden die Gebärdensprache gelernt hatten, obwohl sie selbst nicht gehörlos waren. Schon bald studierte ich mit.

Mithilfe von ASL-Videos studierten wir einige Monate die Bibel. Wir hörten damit aber wieder auf, als ein paar unserer Freunde behaupteten, Jehovas Zeugen würden auch nur menschlichen Führern folgen. Thomas konnte mir zwar klar zeigen, dass dem nicht so war, aber ich glaubte ihm nicht.

Einige Monate später fiel Patricia in eine tiefe Depression. In dieser Zeit bat sie Gott darum, Zeugen Jehovas an ihre Tür zu schicken. Kurz danach bekam sie Besuch von einer Nachbarin, die Zeugin Jehovas war. Sie bot Patricia an, Liccy zu fragen, ob sie mal vorbeikommen würde. Liccy erwies sich als eine echte Freundin. Jede Woche besuchte sie Patricia, um ihr Mut zu machen und mit ihr die Bibel zu studieren. Trotz allem blieb ich den Zeugen gegenüber skeptisch.

2012 zeigten Jehovas Zeugen während einer Sonderaktion die DVD „Hätten Sie gern eine Antwort?“ in LESHO. Liccy brachte uns eine DVD vorbei. Ich schaute sie mir an – und war fassungslos! Viele der Lehren, die ich anderen beibrachte, standen gar nicht in der Bibel, wie zum Beispiel die Lehre vom Höllenfeuer oder von der unsterblichen Seele.

In der Woche darauf ging ich zum Königreichssaal von Jehovas Zeugen, um mit Thomas zu sprechen. Ich erklärte ihm, dass ich Gehörlosen die Wahrheit aus der Bibel näherbringen wollte, nur nicht als ein Zeuge Jehovas. Meine Idee war es, eine eigene, neue Kirche für Gehörlose zu gründen. Thomas lobte mich für meinen neu erwachten Eifer. Dann zeigte er mir aber die Bibelstelle aus Epheser 4:5, die betont, wie wichtig die Einheit in der wahren Christenversammlung ist.

Thomas gab mir auch die DVD Jehovas Zeugen Glaube in Aktion, Teil 1: Aus der Finsternis in ASL. In diesem Video wird gezeigt, wie eine Gruppe Männer die Bibel sorgfältig studierte, um biblische Grundlehren zu verstehen. In diese Männer konnte ich mich hineinversetzen, denn auch ich war auf der Suche. Der Film überzeugte mich, dass Jehovas Zeugen tatsächlich die Wahrheit lehren. Sie stützen ihre Glaubenslehren ausschließlich auf die Bibel. Also fing ich wieder mit meinem Bibelstudium an. 2014 ließen Patricia und ich uns als Zeugen Jehovas taufen.

WIE DIE BIBEL MEIN LEBEN BEREICHERT HAT

Ich schätze die Versammlung von Jehovas Zeugen, denn die Brüder und Schwestern sind rein, so wie Gott rein ist. Das zeigt sich zum Beispiel daran, wie sie mit anderen sprechen und umgehen. Sie sind friedliche Menschen und stehen einander bei. In ihren Glaubenslehren sind sie vereint, ganz gleich, welche Nationalität sie haben oder welche Sprache sie sprechen.

Was ich aus der Bibel gelernt habe, hat mir sehr gefallen, zum Beispiel, dass Jehova der allmächtige Gott und der Souverän über die ganze Erde ist. Er liebt alle – hörende und gehörlose Menschen. Ich bin so dankbar, dass Gott mich liebt. Die Erde wird ein wunderschönes Paradies werden, in dem wir ewig in vollkommener Gesundheit leben dürfen. Wie sehr ich mich auf diese Zeit freue!

Patricia und Mario Antúnez sprechen gern mit anderen Gehörlosen über Gottes Wort. Sie studieren sogar mit einigen Mitgliedern der ehemaligen Kirche die Bibel. Als Pastor hatte er damals selbst so viele Fragen. Jetzt, mit der Hilfe von Jehovas Zeugen, hat er endlich die Antworten in der Bibel gefunden

 Weitere Informationen von Franz Michael Zagler unter der Telefonnummer 0676/637 84 96.

Fotos: JZ