AUTOTEST Kia e-Soul Long Range Platin

Die letzte Modellpflege hat den Kia Soul nochmals „bekömmlicher“ gemacht. Der Soul ist moderner, gleichzeitig erwachsener und 5 cm größer geworden – ohne seinen hohen Wiedererkennungswert zu verlieren. Zumal der Koreaner nur mehr als „e“ erhältlich ist, testeten wird den Soul bepackt mit der stärksten 64kW/h Batterie, 150kW/204 PS Leistung sowie „Platin“-Vollausstattung.

Unser Testwagen erscheint stylisch in weiß mit rotem Dach, rote Applikationen finden sich auch in den Außenspiegeln. Das schmale „Leuchtband“ zwischen den ebenso schmalen LED-Scheinwerfern ist den Designern ebenso gelungen wie die länglich nach oben gezogenen bumerangförmigen Heckleuchten – kurzum ein 4,20 m langer SUV mit Pep. Die Alufelgen im „Schaufelraddesign“ passen ebenso zum Soul wie das unverkennbare „würfelige“ Heck .

Nach dem Einsteigen bietet der Soul trotz kompakter Außenmaße recht anständig Platz, auch auf den Sitzplätzen im Fond. Auf feinem Leder sitzt man bekanntlich gut, die Sitze bieten dabei guten Seitenhalt und mit der vielfach elektrischen Verstellmöglichkeit findet man (vorne) rasch die ergonomisch passende Sitzposition. Echt cool: Die Sitze vorne und hinten sind beheizbar -vorne zusätzlich belüftbar.

Das Cockpit erscheint im bekannten Kia-Design, wenngleich im Soul einige Rundungen integriert worden sind. Bis auf wenige Chrom/Alu Applikationen sowie hellen Ledereinsätzen in den Sitzwangen bzw. Sitzflächen präsentiert sich das gesamte Interieur in schwarz und somit recht gediegen. Da wir im Sommer bereits den elektrischen Konzernbruder e-Nero ausführlich testeten, kennen wir weitestgehend die Bedienung. Der 10,25 Zoll Monitor ist hier allerdings mittig aufgesetzt. Alle Bedienelemente sind am richtigen, gewohnten Platz, am Lenkrad sitzen die Paddels, die für die Rekuperationsstärke zuständig sind – links ziehen mehr, rechts ziehen bedeutet weniger Rekuperation!

Die Ausstattungsvariante Platin beinhaltet sämtlich Fahrerassistenten und Luxusfeatures die wir so gerne haben. Wir wollen hier aber nicht eine Ausstattungsliste abschreiben, dieser Kia hat sowieso alles an Bord. Navi, Head-up, LED-Schein- und Nebelscheinwerfer, Navi mit 10,25 Zoll Bildschirm, Leder, adaptiver Tempomat, Sitzheizung hinten und und und. Ein besonderes Feature möchten wir aber herausgreifen: die eingebaute Harman-Kardon-Anlage beschallt uns nicht nur mit großartigem Sound, die Lautsprecher und die Ambientebeleuchtung in den vorderen Türen werden auf Wunsch zur Lichtorgel – Bässe, Höhen und Rhythmus werden also nicht nur gehört, sondern auch optisch wahrgenommen. Der Beat passt!

Der Gepäckraum ist mit 315 Liter grundsätzlich ausreichend, bei umgelegten hinteren Sitzen (2/1) besitzt der Kofferraum ein Fassungsvermögen von über 1.300 Liter. Allerdings gilt es beim Beladen eine relativ hohe Ladekante zu überwinden.

Und wie fährt sich der e-Soul: hier zeigt die koreanische Automarke wie ein Elektroantrieb richtig funktioniert. Vier Fahrmodi (Eco/Normal/Sport/ Eco+) sorgen dabei für unterschiedlichen Fahrspaß. Bei Bedarf (Sportmodus) sprintet der 1750 kg schwere SUV bereits aus dem Stand mächtig voran. Mit 150kW/204 PS beschleunigt der Soul in 7,9 Sekunden auf 100 km/h und zügig weiter bis knapp 170 km/h, wo ein Begrenzer weiteren Vortrieb verhindert. Vollgas aus kleinen Geschwindigkeiten beschäftigen alle elektronischen Helferlein um den Fronttriebler auf gewünschter Spur zu halten. Jedes Überholmanöver ist ruck-zuck erledigt, steile Berge werden zur Ebene. Wir finden: der kurze Radstand und das wuchtige Drehmoment von 395Nm machen den e-Soul fast zum Kart. Ob durch die Stadt, Land oder auf der Autobahn – bei jeder Fahrt mit dem e-Soul kommen wir zum selben Fahrgefühl: das Auto beschleunigt eindrucksvoll, aber Fahrer und Beifahrer werden „entschleunigt“. Immer wieder ertappt man sich beim Cruisen und Spielen mit der Rekupertionsstärke. Es macht süchtig noch mehr Reichweite aus der Batterie „zu quetschen“ und irgendwie schafft es der e-Soul den Autofahreralltag etwas stressfreier und „grüner“ zu machen. Dabei verbrauchten wir im Schnitt – abhängig von der Außentemperatur und unserer Fahrlaune – zwischen 15,0 -19,2 kWh auf 100km. Wir schafften mit einer Batterieladung immer 360 Kilometer, aber auch 455 Kilometer sind uns ohne „Nachtanken“ gelungen. Es ergeben sich somit Stromkosten von drei bis vier Euro auf 100 Kilometer, der Soul schont also die Geldbörse jeder Besitzerin oder Besitzers.

Fazit: Ein Redakteur eines bekannten deutsches Automagazins testete vor wenigen Wochen privat ebenfalls den e-Soul mit folgendem Ergebnis: Wie konnte ich jemals ein anderes Auto fahren!

Der e-Soul ist ein perfektes Elektrofahrzeug, vor allem mit großer Reichweite und Technik und er bleibt dennoch erschwinglich. Hier haben die KiaLeute wirklich ganze Arbeit verrichtet. Auch wenn der e-Soul mit der kleineren 39,2 kWh Batterie ausstattungsbereinigt etwa 5000 Euro billiger als unser Testwagen wäre, empfehlen wir unbedingt den Griff zur teureren Variante. Dann wird der e-Soul zum vollwertigen Familienauto und erfüllt alle Ansprüche.

Wie immer erwähnenswert ist die von Kia gewährte sieben Jahre Vollgarantie.

Fotos: slz

Technische Daten
Kia e-Soul Longe Range
Batterie 356V/180Ah/64,0kWh
Leistung 150 kW/204 PS
Beschl. 0-100 km/h 7,9 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 167 km/h
Ladedauer (Schnelllader 50kW >80%) ca. 75 Minuten
CO2-Emission 0 g/km
Kia e-Soul (100kW) ab Listenpreis 34.990 Euro